Welche Personengruppen bzw. welche Altersgruppen profitieren am meisten von einer erhöhten Cholinzufuhr?

Die bisher publizierten Daten lassen den Schluss zu, dass eine Cholin-Supplementation den wahrscheinlich größten Nutzen in der Phase der Schwangerschaft und Stillzeit erzielt. Ein hohes Angebot an Cholin während der sensiblen neonatalen Entwicklungsphase des Gehirns hat möglicherweise einen lebenslangen positiven Effekt auf die Gedächtnisleistung (Zeisel SH, 2009). Einer optimalen Versorgung aller Schwangeren mit Cholin wäre den tierexperimentellen Studiendaten zufolge eine notwendige Voraussetzung für eine normale Gedächtnisentwicklung.

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Der Zusammenhang zwischen der Höhe der Cholinzufuhr der Stillenden und dem Cholingehalt der Muttermilch ist belegt (Fischer LM et al. 2010).
Es liegen zudem Hinweise vor, dass auch dem altersbedingten Gedächtnisverlust durch ein hohes Cholin-Angebot in der sensiblen Entwicklungsphase während der Schwangerschaft vorgebeugt werden kann.

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Welche Personen haben einen erhöhten Cholinbedarf?

Durch zahlreiche Untersuchungen gut belegt ist der erhöhte Cholinbedarf von Schwangeren zur Versorgung des Feten. Da die Muttermilch einen hohen Cholingehalt aufweist, ist auch der Bedarf von stillenden Frauen deutlich erhöht. Die Empfehlungen zur täglichen Cholinaufnahme tragen dem erhöhten Bedarf in Schwangerschaft und Stillzeit Rechnung. Mit täglich 550 mg liegen die Empfehlungen für stillende Mütter um mehr als ein Viertel über denen nicht-schwangerer Frauen. 

Die amerikanischen Empfehlungen zur Cholinaufnahme aus dem Jahre 1998 berücksichtigen noch nicht neuere Erkenntnisse zum Vorhandensein eines genetischen Polymorphismus (da Costa K 2006, Zeisel SH 2008). Verschiedene genetische Varianten im Folsäurestoffwechsel haben zur Folge, dass sich der Cholinbedarf bei diesen Personen wesentlich erhöht (Zeisel SH 2008). Derzeit ist es in der Routine-Diagnostik noch nicht möglich, Personen mit einem solchen SNP (Single Nucleotid Polymorphismus) zu identifizieren. Da dieser genetische Polymorphismus häufig auftritt, ist davon auszugehen, dass die Zahl der Personen mit einer unzureichenden Cholinversorgung viel höher ist als in verschiedenen Ernährungsanalysen der Vergangenheit dokumentiert.

Eine weitere Gruppe mit einem erhöhten Cholinbedarf sind leistungsorientiert trainierende Ausdauersportler. Lang anhaltende Ausdauerbelastungen vermindern die Cholinspeicher deutlich (Penry JT et al. 2008). Bei diesen Extremsportlern kann eine Cholin-Supplementation die Ausdauerleistungsfähigkeit positiv beeinflussen. Die gegenwärtigen Empfehlungen zur Aufnahme von Cholin wären demnach auch für den Ausdauer-Leistungssportbereich anzupassen.

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Welche Nahrungsmittel sind eine gute Quelle für Cholin?


Cholin ist Bestandteil einer Vielzahl von Lebensmitteln, trotzdem entstammt der größte Teil der Cholinaufnahme in der Allgemeinbevölkerung nur wenigen Lebensmitteln. 

Besonders hohe Cholinkonzentrationen weisen Leber, Eier und Weizenkeime auf (Tab. 1).

Lebensmittel - Cholingehalt in mg pro 100 g

Hühnereier 251 mg
Eigelb 680 mg
Rinderleber 418 mg
Weizenkeime 152 mg
Sojabohnen (getrocknet) 116 mg
Schweinefleisch 103 mg
Broccoli, gekocht 40 mg

Tab. 1: Lebensmittel mit einem hohen Cholingehalt
(Quelle: Zeisel SH, 2004)

Auch Muttermilch ist reich an Cholin. Ernährungsanalysen belegen, dass der größte Anteil der Cholinaufnahme aus dem Konsum von Eiern, Mich, Rinder- und Schweinefleisch stammt. Obwohl der Cholingehalt in Milch deutlich niedriger ist als in Eiern, stammt der größte Anteil der Gesamtaufnahme des Cholins aus dem Milchkonsum. Einem entsprechend hohen Eierkonsum stehen Empfehlungen zur Verringerung der Cholesterinaufnahme entgegen. Durch die tägliche Aufnahme von nur einem Hühnerei würde der Anteil von schwangeren Frauen, die eine ausreichende Cholinzufuhr erreichen von 10 auf 50 % ansteigen. Auch der Anteil der ausreichend versorgten älteren Männer und Frauen würde sich durch den zusätzlichen Verzehr von einem Hühnerei täglich von 5 auf 20 % erhöhen (Zeisel SH, da Costa KA., 2009). 

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Gibt es Bevölkerungsgruppen mit einer unzureichenden Cholinaufnahme?

Eine Analyse zur Cholinaufnahme aus den Daten der großen Ernährungsstudie NHANES 2003 - 2004 kommt zu dem Ergebnis, dass für die Mehrheit der Bevölkerung eine unzureichende Versorgung mit Cholin angenommen werden muss. 

Weit unterhalb der Empfehlung zur täglichen Aufnahme liegt die Cholinzufuhr bei älteren Kindern, älteren Männern und Frauen sowie bei Schwangeren (Jensen HH et al. 2007, Zeisel SH, da Costa KA 2009). Nur 10 % der untersuchten Personen wiesen eine Cholinaufnahme entsprechend den Empfehlungen zu täglichen Aufnahme (Dietary Reference Intake, USA) oder darüber auf. 

Die durchschnittliche tägliche Cholinaufnahme wurde u.a. in der Framingham Offspring Studie an 920 amerikanischen Männern und 1040 Frauen untersucht. Für Frauen wurde dabei eine mittlere tägliche Aufnahme an Cholin von 314 mg, für Männer ein Wert von 312 mg ermittelt (Cho E et al. 2006). Demnach liegt die Cholinzufuhr in dem untersuchten Kollektiv deutlich unterhalb der empfohlenen Aufnahme. 

Auch die Ergebnisse der Nurses‘ Health Study bestätigen die unzureichende Cholinaufnahme, wobei insbesondere ein Großteil der Frauen nicht die empfohlene Aufnahme an Cholin erreicht (Chiuve S et al. 2007). Eine weitere Analyse der NHANES 2003-2004 Studiendaten dokumentiert vor allem für die Altersgruppe der über 70-Jährigen eine schlechte Versorgungssituation. Die tägliche Aufnahme bei den Senioren lag mit 264 mg täglich nur etwa halb so hoch wie die empfohlene Aufnahme (Keast D, 2007). 

Eine weitere Untersuchung zur Cholinaufnahme bei schwangeren Frauen kommt zu dem Schluss, dass etwa 25 % der Schwangeren nicht einmal die Hälfte der empfohlenen Cholinaufnahme erreicht (Shaw GM et al. 2004). Eine aktuelle Studie bestätigt diese Daten: Stillende Frauen erreichten im Mittel nur etwa zwei Drittel der empfohlenen Aufnahme von Cholin (Fischer et al. 2010).

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Welche Folgen hat eine unzureichende Zufuhr von Cholin?

Eine suboptimale Versorgung von Schwangeren mit Cholin könnte tierexperimentellen Studiendaten zufolge zu einer Beeinträchtigung der Gedächtnisentwicklung bei Neugeborenen führen.
Fehlt bei gesunden Erwachsenen Cholin komplett in der Ernährung, entwickeln 77 % der Männer und 80 % der postmenopausalen Frauen Zeichen von subklinischen Organschäden. Insbesondere Zeichen einer Fettleberentwicklung und eine Muskelschädigung (Sha W et al. 2010). Diagnostisch bedeutsam ist dabei ein Enzymanstieg im Blut, u.a. der Lebertransaminasen und der Kreatinkinase. Die Fettleberentwicklung steht möglicherweise im Zusammenhang mit einem gestörten Eisenstoffwechsel der Leberzelle (Tsuchiya H et al. 2010).http://wirksam-oder-unwirksam.blogspot.de/


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Gibt es einen Cholinmangel?

Obwohl Cholin vom Körper selbst synthetisiert werden kann, ist eine zusätzliche Zufuhr über die Ernährung notwendig. Die extremen Folgen einer Cholin-freien Ernährung können Muskelschäden, aber auch die Entwicklung einer Fettleber sein. Aufgrund des in einer Vielzahl von Lebensmitteln enthaltenen Cholins sind diese schweren Folgen eines Cholinmangels unter normalen Ernährungsbedingungen extrem unwahrscheinlich. Eine chronisch zu geringe Zufuhr über die Ernährung kann zu erhöhten Homocyteinspiegeln führen. Eine ausgeprägte Unterversorgung mit Cholin kann sich auch als Folge von Fasten oder länger anhaltender kalorienreduzierter Diäten entwickeln. Auch Personen mit einem Folsäuremangel sind gefährdet, sekundär erniedrigte Cholinspiegel im Blut zu entwickeln. Neben einer zu geringen Cholinkonzentration im Blut wird auch über einen relativen Cholinmangel einzelner Organe, wie z.B. des Gehirns, berichtet (Li Z et al. 2008).


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Gibt es Empfehlungen zur Höhe der täglichen Cholinaufnahme?

Die notwendige tägliche Aufnahme an Cholin wurde 1998 vom amerikanischen Institute of Medicine mit 425 mg für Frauen und mit 550 mg für Männer definiert. Schwangeren Frauen sollten diesen Empfehlungen zufolge 450 mg, stillende Frauen 550 mg Cholin täglich zuführen. Die empfohlene Aufnahme für Kinder ist mit 200 bis 250 mg pro Tag angegeben. Jugendliche (14 bis 18 Jahre) sollten den Empfehlungen entsprechend 400 mg (Mädchen) bzw. 550 mg (Jungen) erhalten (Food and Nutrition Board, USA 1998). 

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ihre Empfehlungen für eine angemessene Aufnahme von Cholin über die Ernährung im Jahr 2016 überarbeitet. Als angemessene Zufuhr von Cholin wird für Erwachsene die tägliche Aufnahme bei 400 mg empfohlen.
 

Neuere Untersuchungen geben Hinweise, dass der Cholinbedarf individuell deutlich variieren kann. Schon früh war aufgefallen, dass nur ein Teil der Versuchspersonen unter einer Cholin-Mangeldiät Organfehlfunktionen (z.B. eine Fettleber) entwickelten, andere hingegen unbeeinträchtigt blieben. Eine Erklärung für die Beobachtung, dass einige Personen mehr als 850 mg/pro Tag/70 kg benötigten, während andere mit weniger als 550 mg Cholin pro Tag eine stabile Stoffwechselsituation aufwiesen, liegt im Vorhandensein genetischer Polymorphismen (Zeisel SH 2008). Verschiedene genetische Varianten im Folsäurestoffwechsel haben zur Folge, dass unter bestimmten genetischen Konstellationen, Cholin als Methylgruppendonator eine zunehmend wichtigere Rolle spielt und sich der Cholinbedarf infolgedessen erhöht (Zeisel SH 2008, 2011). Dieser genetische Polymorphismus ist nicht selten. Immerhin 63 bis 73 % der untersuchten Probanden wiesen mindestens ein Allel des SNP (Single Nucleotid Polymorphismus) auf. 

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